Von @chayneblack

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Varin hat mich gedrängt, das alles nieder zu schreiben. Wenn ihr euch also hier zu Tode langweilt, während ihr diese Zeilen lest, so wendet euch an diesen lästigen Templer, um euch zu beschweren. Er hat mich gefragt, wie es kommt, dass ich als Bosmer den Pakt unterstütze und nebenbei ein Dieb und Mörder wurde. Diese Frage war der Anfang dieses leidigen Unterfangens und vielleicht sollte ich genau dort beginnen – am Anfang.


Donner grollte und Regentropfen prasselten auf die Blätter der Wälder in Malabal Tor. Der Geruch von feuchter Erde vermischte sich mit dem faulig-würzigen Aroma des Urwaldes. Zwei Männer brachen durch das dichte Unterholz, eher taumelnd als rennend. Immer wieder rutschte einer von Ihnen aus und fiel zu Boden. Ein blutiger Verband aus schmutzigem Stoff bedeckte eine Gesichtshälfte des ersten, während der zweite den linken Arm in einer behelfsmäßig angefertigten Schlinge trug. Nach Atem ringend blieben sie stehen als sie die zerbrochenen Steine einer scheinbar uralten Straße unter ihren Füßen spürten.

Drei Tage… seit drei Tagen folgte ich ihnen nun. Ich kam von der Jagd nach Hause und fand unser Dorf zerstört. Vater fand ich am Boden angepflockt. Sie hatten ein Feuer zwischen seinen Beinen angezündet. Er lebte noch, als ich ihn fand, lang genug, um mir zu sagen, in welcher Richtung die Söldner gezogen waren, und um mich zu bitten, ihn zu erlösen. Ein schneller Schnitt und er hatte seinen Frieden gefunden.

Da es nichts mehr gab, was mich noch hielt, sammelte ich einen ordentlichen Vorrat an Pfeilen ein, welche unweit des Hauses in unserem Vorratskeller eingelagert waren, den die Plünderer offenbar übersehen hatten. Dann schnallte ich mir erneut meine Messer um die Hüften, schulterte meinen Bogen und machte mich auf den Weg..

Ein Kind hätte der Spur folgen können. Schon nach wenigen Stunden hatte ich sie eingeholt. Ein Nachzügler fiel meinen ersten Pfeilen zum Opfer, ohne dass den anderen aufgefallen wäre, dass etwas nicht stimmt.

Ich stellte zu meinem Erstaunen fest, dass es nicht anders war, als jede andere Jagd auch. Ihr sucht die Spur, folgt Ihr und wenn Ihr euer „Wild“ ausgemacht habt, schleicht Ihr euch an und tötet es.

Als sie das Nachtlager aufschlugen, stellten sie fest, dass jemand fehlte. Zwei gingen zurück um nach ihm zu suchen und auch diese starben, ohne zu sehen, wer oder was ihnen den Tod brachte.

Es war bestürzend einfach. Wie sie es geschafft hatten unser Dorf zu finden, ist mir bis heute ein Rätsel, ich vermute, sie sind schlicht vom Wege abgekommen und haben sich verlaufen.

Der Wein floss reichlich in Ihrem Lager, in jener Nacht. Sie feierten ihren „Sieg“. Nachdem sie sich hingelegt hatten, stellte ich sicher, dass einige von ihnen am nächsten Morgen nicht mehr aufstehen würden. Die Wache schien blind und taub zu sein. Ich weiß bis heute nicht, wie man so dumm sein kann, während der Nachtwache ständig ins eigene Lagerfeuer zu schauen. Aber ich will mich nicht beschweren. Die Wache war jedenfalls aufgrund dieser Dummheit völlig nachtblind und bemerkte mich erst, als ich ihr die Kehle durchschnitt.


Schreiben macht durstig, entschuldigt mich einen Moment.

Später… sehr viel später.

Wo waren wir? Ihr solltet nicht zulassen, dass ich so abschweife, sonst kommen wir nie zu etwas.


Ich holte mir die Kerle, einen nach dem anderen. Und diese beiden armseligen Kreaturen dort vor mir, am Rande der alten Straße, waren die letzten beiden. Sie sahen mich nicht kommen. Der erste mag noch gespürt haben, dass etwas seinen Hals von hinten umklammerte, ehe mein Dolch seine Nieren fand, aber sicher bin ich dessen nicht. Ich ließ sie am Straßenrand liegen und machte mich auf den Weg. Ohne bestimmtes Ziel einfach die Straße lang. Wie gesagt, nichts hielt mich mehr…

Ich will hier etwas klar stellen. Ich habe Schleichen und Jagen gelernt, seit ich alt genug war, selbst zu laufen. Meine Schwester und ich haben uns an Bögen und an den Klingen von Messern die Milchzähne ausgestoßen. Wir lebten zu einem guten Teil von der Jagd und bereits als Kind erlegte ich regelmäßig Vögel und Kaninchen um zur Ernährung der Familie beizutragen. Seinerzeit war es eine schlechte Idee, Heim zu kommen und nicht für jeden verschossenen Pfeil eine vernünftige Beute oder eine verdammt gute Erklärung für deren Fehlen vorzuweisen. Pfeile waren teuer, und äußerst schwierig herzustellen. Daher hatte Vater keinerlei Sinn für Humor, wenn es um sinnlos verschwendete Pfeile ging.

Schleichen, jagen und töten war für mich bereits als Kind so natürlich, wie für euch das Atmen… und daran hat sich bis heute nichts geändert. Was sich geändert hat, sind nur zwei Dinge: Ich jage nicht mehr, um zu essen (außer ich bin lange in der Wildnis unterwegs), und ich werde sehr gut fürs Jagen bezahlt. Wer einmal die Aufregung dieser speziellen Art von Jagd erlebt hat, weiß, wovon ich spreche, nichts ist so aufregend wie die Jagd auf Wesen, die jederzeit den Spieß umdrehen können.

Ich stellte in den Städten schnell fest, dass nur wenige in der Lage waren, mich zu entdecken, wenn ich es darauf anlegte, nicht gesehen zu werden. Ich lernte ebenso schnell, dass Städte geradezu von Taschendieben wimmeln und ein scheinbar zufälliges Anrempeln in der Regel bedeutete, dass die Börse weg ist. Nun bin ich bis heute kein Fachmann, wenn es um gutes Benehmen geht, doch schien es mir damals nicht richtig zu sein, dass sich jemand, ohne sich vorzustellen, einfach mit meiner Geldbörse davon machte. Also schickte ich einen Pfeil von der Sehne und holte den Gauner damit, mehr oder weniger gezielt, von den Beinen. Das Dumme war nur, dass die Stadtwache es überhaupt nicht mochte, dass ein Bosmer auf offener Straße einen Altmer in den Rücken schoss und somit endete ich, ohne irgendeine Anhörung, mit einigen bösen Prellungen, erst im Kerker und dann in einer sehr speziellen Einheit der Armee.

Der ganze Trupp bestand aus Sträflingen. Räuber, Diebe und Mörder – meine zukünftige Erziehung war damit gesichert. Außer den Offizieren natürlich. Deren Peitschen saßen locker und niemand hat einem Altmer je beigebracht, sich zu fragen, ob er einem Bosmer Unrecht antut, was mich schließlich nach Cyrodiil, und somit in einen Krieg brachte, der nicht der meine war. Zumindest damals nicht.

Die Gesellschaft meiner neuen Kameraden war ein zweischneidiges Schwert. Ich lernte viel in dieser Zeit. Wie man mit dem Schwert kämpft, wie Belagerungswaffen bedient werden, wie man Latrinen aushebt, wie man Deserteure aufhängt (wir hatten aus irgendeinem Grund übermäßig viele davon, fanden zumindest die Offiziere) aber auch, wie man seine Ausrüstung im Felde sauber hält, wie man als Einheit kämpft und auch, wie man Schlösser öffnet, für die keine Schlüssel vorhanden sind. Wie man aus bestimmten Kräutern Tränke und Rauschmittel herstellt. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen… ich hatte einige Kameraden, die in mancherlei seltsamen Fertigkeiten geübt waren… belassen wir es dabei.

Es ist kein Vergnügen, an einen Tribock gekettet zu sein, während gegnerische Kavallerie auf einen losgeht. Es ist noch weniger angenehm, von Feuerballisten beschossen zu werden, während man auf eine Festungsmauer zu rennt. Aus irgendeinem Grund war die Todesrate bei den Offizieren unserer Einheit deutlich höher, als bei den meisten anderen und so fand ich mich irgendwann mit schmerzendem Kopf und einem Pfeil in der Schulter, immer noch an einen Tribock angekettet, vor einem Nord wieder. Der hatte soeben meinen Offizier, um dessen Hals sich meine Kette schlang, in zwei Hälften geteilt.

Ich vermute, die Ketten an meinen Hand- und Fußgelenken haben ihn davon überzeugt, dass ich nicht ganz freiwillig dort war. Er sorgte dafür, dass sich ein Heiler meiner Wunden annahm und dafür, dass ich besagte Ketten los wurde. Alles in allem waren die Offiziere des Ebenherzpaktes wesentlich netter, als meine bisherigen. Und meine neuen Kameraden schienen keinen Anstoß an meiner Herkunft zu nehmen.

Die Tatsache, dass ich über einige Informationen verfügte, und ihnen zeigen konnte, wo die Festungsmauern von Aunebel nach der letzten Belagerung nur notdürftig geflickt worden waren, könnte ebenfalls dazu beigetragen haben, dass die meisten mich mochten. Aber ich schweife schon wieder ab.

Ich hatte einige Rechnungen mit den Altmer zu begleichen und ich bekam reichlich Gelegenheit, dies zu tun. Ich wurde bald schon einer Kundschafter-Truppe zugewiesen und meine angeborene Begabung im Schleichen und Spurensuchen, sowie ein gewisses Talent im Umgang mit dem Bogen, brachte mir den Respekt meiner Kameraden, eine Beförderung und die Aufmerksamkeit von… jemand anderem ein.

Aber davon werde ich später berichten. Draußen wird es dunkel und im Gasthaus spielt Musik. Ich bin sicher, ich werde eine Würfelrunde oder eine nette Schankmaid finden, um mir die Zeit zu vertreiben. Wenn das nichts wird, kann ich immer noch Jagen gehen.

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