Von @Pilzikus

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Vorsichtig bewegte er sich durch die Gänge. Etwas stimmte nicht mit ihm.
Vielleicht war er einfach schon zu lange zur Forschung in dieser alten Dwemer-Ruine unterwegs.
Die schlechte Luft hatte ihm schon immer Kopfschmerzen verursacht, doch heute fühlte sich alles
sonderbar dumpf an. Wenn er etwas berührte, fühlte er seine Fingerspitzen nicht. Auch seine
Füße schienen den Boden nicht richtig zu berühren.
Er hatte Schwierigkeiten sich an Dinge zu erinnern, die vor seiner Ankunft an diesem Ort lagen.
Zuerst hatte er sich nichts daraus gemacht, wenn er Kleinigkeiten vergaß, er hielt es für erste
Anzeichen seines fortgeschrittenen Alters. Schließlich war er kein Elf und mit fast fünfzig Jahren
auch kein junger Mensch mehr.
Doch aus den Kleinigkeiten wurden zunehmend größere Abschnitte seines Lebens und das
besorgte ihn. Kurz flackerte trotzige Entschlossenheit in ihm auf. Er würde sein Lebenswerk
noch vollenden und die Hauptkammer dieser überwältigenden Ruine erreichen.
Die mysteriösen Dwemer und ihre technischen Hinterlassenschaften hatten ihn schon seit seiner
Kindheit fasziniert. Die Faszination hatte mit seinen späteren Studienjahren bei der
Magiergilde sogar noch zugenommen und er hatte jede Dwemer-Ruine erforscht, jedes Relikt
und Buch zu dem Thema untersucht, derer er habhaft werden konnte, und war immer wieder
auf Beschreibungen zu einem großartigen Observatorium gestoßen. Einer technischen
Meisterleistung, die er unbedingt noch sehen wollte und ihn schließlich hierher geführt hatte.
Die Erinnerung entglitt ihm als eine Dwemerspinne ungerührt an ihm vorbeihuschte um ihren
Aufgaben nachzugehen. Etwas daran kam ihm seltsam vor, doch er wusste nicht genau zu
sagen was es war und setzte seinen Weg fort.
Er wich zwei patrouillierenden Dwemersphären aus und fragte sich für einen kurzen Moment, ob
sie schon immer so klein ausgesehen hatten, ehe sich die Frage in seinem Kopf wieder verlor.
Eine weitere mechanische Spinne kreuzte seinen Weg und er verspürte das dringende
Verlangen ihr zu folgen. Er wusste plötzlich genau, dass sie sich auf dem Weg zum
Observatorium befand.
Doch im Vergleich zu ihr war er so unendlich langsam und wünschte kurz, sie würde stehen
bleiben.
Zu seiner Verwunderung tat sie es und wartete bis er zu ihr aufgeschlossen hatte, ehe sie
weiterlief und sich das Spiel wiederholte. Sie passierten eine große Halle mit weiteren
Dwemersphären, die zu beiden Seiten Wache haltend standen, und er glaubte langsam zu
träumen. Bei keiner seiner früheren Expeditionen war er auf Wächter gestoßen, die ihn einfach
passieren ließen anstatt ihn anzugreifen.
Vielleicht halluzinierte er auch. Er hatte von den vielen unsichtbaren Gefahren dieser Ruinen
gelesen und wusste, dass sich manchmal halluzinogene Pilzsporen über das raffinierte Dampf- und
Belüftungssystem verbreiten konnten. Oder… wo hatte er das doch gleich gehört?
Er konzentrierte sich wieder auf die Spinne und erreichte endlich den langersehnten Ort seiner
Begierde. Sein Blick wurde sofort von den vielen leuchtenden Kristallen an der Decke und den
Wänden angezogen und er erkannte darin aberhunderte von leeren Seelensteinen.
Fragen stahlen sich in sein Bewusstsein, die ihn schon lange beschäftigten, seit er erfahren
hatte, dass die Dwemer-Maschinen mit gefüllten Seelensteinen betrieben wurden.
Woher kamen die neuen Seelen, die zum Aufladen der aufgebrauchten Energie nötig waren? Keine
der vielen Maschinen hätte mit einer einzigen Ladung all diese Jahrhunderte überdauern
können, oder doch? Konnten die Maschinen sich selber aufladen? Und wenn ja, wie konnten
einfache Maschinen die nötige Magie wirken um eine Seele zu extrahieren?
Er erkannte alle Zusammenhänge mit erschreckender Klarheit, als er zwei weitere, mächtige
Schritte in den Raum hinein trat.
Während sein Blick über die gigantische, rotierende Maschine mit einer Vielzahl an
Greifarmen weiter nach unten wanderte, wurde ihm klar, dass er nicht das Observatorium
gefunden hatte. Dieser Ort gehörte zu den lange vergessenen Geheimnissen des
Dwemer-Volkes. Es hatte seines Wissens nach bisher noch niemand denselben Gedanken
verfolgt wie er und aufgeschrieben, oder sich vorzustellen vermocht, dass ein solcher Ort
wirklich existieren konnte…oder durfte.
Er beobachtete, wie ein großer Zenturio einen gerade erst getöteten Skeever brachte und auf
einen der acht Steintische legte. Einer der Greifarme streckte sich nach einem Seelenstein und
pflückte ihn von der Wand. Die Maschine begann zu summen und in arkanem Licht zu
leuchten, als sie das Seelengefäß anschließend über das Tier hielt. Kurz danach war der Stein
gefüllt. Der Greifarm setzte ihn einer wartenden Sphäre ein, die wieder zum Leben erwachte und
fleißig davonrollte.
Er betrachtete die weiteren Steintische und seine frischeste Erinnerung flammte gnadenlos
auf.
Dort, auf dem hintersten Tisch, lag der welkende, tote Körper eines älteren Mannes. Das
Abzeichen der Magiergilde war auf dem langsam auflösenden Stoff gerade noch zu erkennen.
Er trat voller Schrecken näher heran. Seine Schritte waren ein lautes Stampfen.
Das Abbild eines mächtigen Zenturiokörpers offenbarte sich ihm in den spiegelnden Wänden
aus Seelengefäßen, als er sich dem Steintisch näherte. Er wollte vor Entsetzen schreien, doch
er konnte es nicht mehr. Aus seinem Maschinengesicht drang kein Laut.
Dann verloschen sein Bewusstsein und alle Erinnerungen.
Er war jetzt ein Dwemerzenturio und konnte wieder seinen Aufgaben nachgehen.
Er verließ den Raum und wanderte durch die Gänge.
Doch sein altes Bewusstsein flackerte von Zeit zu Zeit wieder kurz in dem Seelenstein auf, der
den Zenturio antrieb.
Alles fühlte sich heute sonderbar dumpf an und wenn er etwas berührte, fühlte er seine
Fingerspitzen nicht. Auch seine Füße schienen den Boden nicht richtig zu berühren.
Etwas stimmte nicht mit ihm…

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