Von @Pilzikus

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Der Schauplatz dieser Geschichte wurde im Spiel als Heimstätte gestaltet. Sehenswert!


Zögernd und jeden Schritt vorsichtig abwägend trat sie durch das daedrische Portal. Es hatte sie viel Zeit gekostet allein den Namen dieses Ortes in Erfahrung zu bringen, doch nun stand sie genau dort, dem Heim des bösen Nekromanten und allein der Name weckte Ihren Zorn.

Seelenhain.

Eine lange Reihe trostloser Verdammter säumte den Weg links und rechts vom Portal und sollte jedem Eindringling als Warnung dienen. Als sie die leeren, seelenberaubten Blicke nicht länger ertrug, wandte sie sich ab und wäre fast in einen der patrouillierenden Wurmkultisten gelaufen. Ihr Schreck währte nur kurz, schließlich hatte sie sich nicht umsonst monatelang in ihren Kreisen hochgearbeitet, was erschreckend einfach war, nachdem der Meister ihrer Gruppe in ihr eine talentierte junge Magierin erkannt hatte.

Der Wächter knurrte eine zornige Bemerkung, entschuldigte sich aber sofort kleinlaut als er Ihren Rang erkannte und trat zur Seite, als wäre es seine eigene Schuld ihr im Weg gestanden zu haben. Die junge Frau strich Ihre Kultistenrobe glatt, nickte dem Wächter gnädig zu und setzte Ihren Weg fort. Sie betrat den Aufgang zu den schwebenden Inseln und fragte sich bei jedem Schritt mit wachsendem Unbehagen, wie man einen solchen Ort farbloser Niedergeschlagenheit nur schön finden konnte. Ihre Hand glitt unwillkürlich in die Tasche ihrer Robe und umfassten den warmen Kristallsplitter. Bald schon wären die Schrecken und das Leid, das diese Kultisten verbreiteten, nur noch eine entfernte Erinnerung. Wenn alles gut ging.

Ihr Blick glitt hinauf zu dem magischen Riss, der über der Mittelinsel schwebte und diesen Ort mit mächtiger Magie aus Meridias Ebene Farbenspiel durchdrang. Ohne den Splitter in ihrer Tasche wäre er der jungen Magierin verborgen geblieben und sie wusste von Gesprächen und Reaktionen, dass keiner der Anhänger hier ihn zu sehen vermochte. Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht der Nord.

Sie betrat die Brücke zur linken Insel und begrüßte, unter dem wachsamen Blick einer Molag Bal-Statue, die anwesenden Wurmkultisten. Nachdem auch die letzten hochrangigen Mitglieder eingetroffen waren und alle auf den Hockern vor dem Altar Platz genommen hatten, wurde ihr erst das wahre Ausmaß dieser Bedrohung bewusst. Meridia hatte die wachsende Gefahr durch diese Nekromanten wohl bereits richtig eingeschätzt als sie der jungen Magierin diese Aufgabe und sogar einen Splitterteil ihres Sterns übertrug. Die Anzahl der Anführer war groß und jeder leitete seine eigene Gruppe. So, wie auch sie das nach der heutigen Einführung und ihrem ersten Seelenraub hätte tun sollen. Ihre Hand krampfte sich um den Kristall und wartete auf den wichtigsten Teilnehmer dieser Versammlung.

Der Meister des Wurmkults erschien in aufwendig goldbestickter Zeremonienrobe und nahm seinen Platz hinter dem Altar ein. Die zum größten Teil aus Menschen bestehende Versammlung begann mit einem Dankgebet an den Herrn der Zerstörung, einem kurzen rituellen Singsang und wurde dann von den Berichten der einzelnen Anführer abgelöst. Als schließlich der Anführer ihrer Gruppe seinen Bericht für Steinfälle beendete und ihre Inthronisation zu einer Meisterin beginnen sollte, erhob sie sich und trat hinter den Opfertisch rechts neben der Statue.

Sie nahm einen Seelenstein aus der bereitstehenden Kiste und sammelte all ihren Mut während zwei Wächter einen hochelfischen Gefangenen brachten und auf den Tisch banden. Sie nutzte die Zeit um ihren Geist mit dem Ebenenriss zu verbinden. Für die Zuschauer sah es aus, als begann die Nord jetzt die erlernten Worte für die Seelenfalle zu rezitieren. Ihr traten erste Schweißperlen auf die Stirn, denn der erste Streich musste gelingen, sonst müsste sie sich nachher mit dem obersten Meister der Würmer duellieren und dabei rechnete sie sich keine großen Chancen aus, Meridias Gunst hin oder her.

Als die Seelenfalle kurz vor Vollendung stand griff sie sich den Ritualdolch und die Kultisten hingen gebannt an der Vorführung. Ihre Begeisterung widerte die junge Magierin an. Sie vollendete die Seelenfalle und legte sie im selben Moment wie sie den Dolch und den Seelenstein zielsicher mit ihrer Macht von sich schleuderte… nicht etwa auf das angebundene Opfer, sondern direkt auf den Meister der Würmer. Sie hatte allerdings keine Zeit sich an den geschockten Gesichtern der Anführer zu erfreuen, schnell griff die Magierin nach ihrem Kristallsplitter, berührte den Gefangenen an der Schulter und ließ ihre angesammelte Magie und die vorbereiteten Schutzzauber frei.

Für wenige Augenblicke schien die Zeit still zu stehen.

Dann explodierte der Ebenenriss auf der Mittelinsel und löste die ungeschützten Körper aller Kultisten auf dieser Ebene einfach in Nichts auf. Auch alle Seelenberaubten wurden mit einem Schlag von ihrer endlosen Qual erlöst.

Die durchlässige Ader der Magie die diesen Ort tränkte fiel in sich zusammen und erzeugte einen gewaltigen Sog der alles um sich herum zu sich hochzog und einsaugte, bis er schließlich als schwache aber jetzt sichtbare Anomalie verharrte.

Erschöpft, aber zufrieden, warf sie einen Blick auf den geretteten Gefangenen, der noch nicht ganz begriffen hatte, was hier gerade passiert war.

Erst jetzt bemerkte sie, dass noch eine Existenz nicht mit aufgelöst worden war. Der Meister der Würmer lag umgeworfen und seelenlos neben einem unnatürlich großen und rot leuchtenden Seelenstein. Die Schutzglyphen seiner Robe leuchtete noch schwach und sie dankte ihrem Glück und seiner Überheblichkeit dafür, dass er keinen Schutz für körperliche Angriffe auf seiner Zeremonienbekleidung eingewoben hatte.

Doch von ihm ging keine Gefahr mehr aus. Vielleicht würde sie ihn vor dem Aufgang der schwebenden Inseln als abschreckendes Beispiel immerwährende Wache halten lassen. Der Gedanke gefiel ihr.

Die junge Magierin öffnete dem unentwegt Dankesworte bezeugenden Hochelfen ein Portal in seine Heimat und konnte ihn erst dazu bewegen hindurchzugehen, als sie ihm versprach, seine Einladung anzunehmen und ihn in Sommersend zu besuchen. Er wollte seine Dankbarkeit unbedingt angemessen zeigen.

Und warum auch nicht? Sie hatte sich sicherlich eine Auszeit verdient.

Die Kultisten waren für eine Weile führungslos und geschwächt und würde sich um die freien Machtpositionen streiten. Irgendwann würde sich daraus vielleicht ein neuer starker Anführer hervortun und vielleicht wäre er nicht mehr so dumm, solche Versammlungen abzuhalten oder persönlich zu seinen Anhängern zu sprechen. Das würde die Zeit zeigen. Doch fürs erste war Tamriel sicher und sie würde ein wachsames Auge auf den Kult haben.

Seelenhain wäre ein guter Ausgangsort um Kalthafen im Blick behalten zu können. Doch die Einladung nach Sommersend klang für den Augenblick wesentlich verlockender.

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